Mittwoch, 13. September 2023

Tag 28: Saint-Cyprien bis L'Escala

Saint-Cyprien bis L'Escala:


JAAAAA! Ich bin in Spanien!!!!! STOOOOPPPPP! Und zurück - zurück - zurück ...

Am besten gleich zurück nach vorgestern. Vorgestern beschloss ich, in Saint-Cyprien, meinem letzten Etappenziel in Frankreich, eine Pause einzulegen, und buchte zwei Übernachtungen. Dann lief die gestrige Etappe so gut und ich sang während meiner Fahrt immer wieder "Eviva España". DAS IST EIN ZEICHEN! Oder? Ich nahm es als Zeichen und stornierte meine zweite Übernachtung wieder und buchte für mein heutiges Etappenziel L'Escala - bereits in Spanien - zwei Übernachtungen. Das gleiche Spiel wieder, ich war flott unterwegs, es geht mir gut, ich bin topfit, und Barcelona ist nicht mehr weit entfernt. Ich stornierte auch in L'Escala die zweite Übernachtung und buchte für morgen meine nächste Übernachtung. Und Barcelona ist auch schon unter Dach und Fach!

Aber nun alles der Reihe nach.

Frühstück bekam ich heute erst um 8 Uhr, wobei ich ein paar Minuten vor 8 bereits den Frühstücksraum betreten durfte. Mein Rad war bereits startklar. Ich packe immer schon vor dem Frühstück und belade mein Rad, damit ich nach dem Frühstück zügig losfahren kann. Ich trödelte heute auch nicht und fuhr um 8 Uhr 30 los. Früher ging wirklich nicht. Draußen war es kühl nach dem gestrigen Gewitter. Es hatte 17 °C. Der Wetterbericht sagte Sonnenschein mit ein paar Wölkchen bei einer Höchsttemperatur von 27 °C voraus. Die Wetterlage ist derzeit wirklich gut. Es ist nicht zu heiß, und bis auf das Gewitter gestern hab ich immer Schönwetter.

Ich peilte den EuroVelo 8 an. Die nahegelegene D618 hatte ohnehin ein Fahrradfahrverbot, somit gab es gar keine Alternative. Und der EuroVelo 8 war bei meiner heutigen Etappe wirklich schön. Asphaltiert, gut ausgeschildert. Und ich freute mich über die Natur, durch die ich fuhr.









Aus dem Radweg wurde eine so gut wie nicht befahrene Nebenstraße, die allmählich bergauf ging. Die Pyrenäen kündigten sich an. Bei einem Steigungsgrad von maximal 8 % fuhr ich auf einer leicht kurvigen schmalen Straße durch Wälder.




Eine richtig schöne Landschaft und ein Traumblick, den ich immer wieder hatte. Ich kam an einem archäologischen Standort vorbei und stapfte natürlich über die Funde.






Und ein kleines Stück danach erreichte ich den Col de Panissar. Auf dem Berggipfel konnte ich das Fort de Bellegarde sehen, eine Festung des 17. Jahrhunderts, die ursprünglich als Zollstation sowie zur Kontrolle und Sperre des Weges nach Frankreich angelegt wurde.




Ich war hier bereits an der spanischen Grenze, auch wenn hier keine Grenze erkennbar war. Die Route des EuroVelo 8 verlief ab hier auf einer Piste talwärts. Aber sie war gesperrt? Ich wollte außerdem keine Piste fahren ... Und was jetzt?

Ich blieb auf der Straße und fuhr am Fort vorbei nach Le Perthus.



Etwas ratlos, wie ich nun weiterfahren sollte, kaufte ich mir zuerst in einer Bar einen Kaffee. Kaffee bringt mich oft auf Ideen, und eine Pause kam mir sowieso nach der Überquerung der Pyrenäen gelegen.

Während ich meinen Kaffee trank, studierte ich googlemaps. Wieder zurück auf den Berg? Nein, danke! Ich war gerade 17 % bergab gefahren. DAS fahr ich nicht noch einmal rauf. In Le Perthus war aber nur die Hauptstraße, die nach dem Ortsende in die N-II überging. Und diese N-II führte nach La Jonquera und somit nach Spanien. N-II. Was ist das eigentlich? Eine Nationalstraße? Zumindest ist sie keine Autobahn! Und das beruhigte mich ein wenig. Ich entdeckte auf der Karte einen winzigen Pfad von der N-II rüber zum EuroVelo 8. Den müsste ich doch fahren können? 2 km auf einer N-II werde ich schon auf die Reihe bekommen. 

Also holte ich tief Luft und fuhr auf die Hauptstraße bzw. auf die N-II. Und kurz nach Ortsende von Le Perthus stand ich genau hier:




ÖRKS .... Augen zu und durch bzw. rauf auf die N-II, die mir wie eine Schnellstraße vorkam.

2 km später sah ich tatsächlich einen Pfad und konnte die Nationalstraße verlassen! Und ich sah auch wieder Schilder! Ich war hier auf dem Pirinexus unterwegs. Noch nie gehört davon! Aber EuroVelo 8 stand auch auf den Schildern. Also war ich jetzt wieder richtig.

Google kann man immer fragen, wenn man etwas nicht kennt: Die Tour "Pirinexus" führt durch 53 Orte und 8 Landkreise und verläuft auf Radwegen oder anderen fahrradfreundlichen Routen, wie Feldwegen oder verkehrsarmen Straßen. Die Route bildet einen geschlossenen Kreis, der zwei Länder mit umweltfreundlicher Verkehrsinfrastruktur verbindet und den nachhaltigen Fremdenverkehr fördert. 






Willkommen auf dem spanischen EuroVelo 8. Rumpeldibumpel. Wenn das so weitergeht, bin ich übermorgen noch nicht an meinem Etappenziel. Rumpelnd, holpernd, rutschend kam ich im Schritttempo voran und erreichte nach ca. 8 km La Jonquera. So wollte ich aber nicht weiterfahren. Ich studierte wieder mein Navi und googlemaps und beschloss: rauf auf die N-II! Wenn ich 2 km auf der N-II fahren kann, kann ich auch länger darauf fahren. Ich steuerte den Kreisverkehr an und fuhr auf die N-II. 4-spurig, in der Mitte eine Sperrlinie und am rechten Rand einen schönen breiten Pannenstreifen. Der gehörte nun mir alleine!


Bis Figueres blieb ich auf der N-II. Hier wechselte ich auf die C-260. Sie hatte Ähnlichkeit mit der N-II, nur, dass sie in der Mitte eine Leitplanke hatte. Aber Pannenstreifen am Rand hatte sie ebenfalls. Kaum war ich auf der C-260, sah ich am rechten Rand ein Mädel mit String-Tanga, T-Shirt und Handy in der Hand mit Ohrstöpseln, Musik hörend. Neben ihr ein Campingsessel. Ich dachte mir, sie war sicher in der Nähe an einem Badeteich, und nun holt ihr Freund das Auto. Kurz danach wieder ein Mädel mit String-Tanga, T-Shirt und Handy in der Hand. Ein Stück weiter zwei Mädels mit String-Tanga. Öhm ... das war ein bissl viel Zufall. DAS war der Autostrich von Spanien! Bei 17 hörte ich auf zu zählen. Zweimal sah ich ein Auto stehenbleiben. Fotografieren wollte ich nicht bzw. traute ich mich nicht. Wer weiß, dann steht der Zuhälter hinter dem nächsten Baum.

Auf der C-260 blieb ich bis Castello d'Empuries.


Ist jetzt die Piste rechts im Bild der Radweg oder der Pannenstreifen? Egal!

Fazit: in Spanien darf man mit dem Rad auf N-Straßen und auf C-Straßen fahren. Der Unterschied liegt darin, dass die C-Straßen meistens (nicht immer) eine Leitplanke in der Mitte haben. Beide haben einen breiten Pannenstreifen. Und es kümmert sich kein Mensch darum, wenn man mit einem Rad fährt. Für die Polizei ist das in Ordnung. Und Verbotsschilder gibt es auch nicht. Ich kam flott voran. Und durch den Pannenstreifen war es halb so wild, auf so einer Straße zu fahren.

In Castello d'Empuries lachte mich eine Bar an, und ich kaufte mir einen Kaffee. Fast gleichzeitig mit mir nahmen zwei Radfahrer mit e-Bike am Nebentisch Platz. Und wir kamen ins Gespräch. Die beiden waren aus München und machten hier Urlaub. Tagsüber machten sie Radtouren. Und auch sie kannten die N-II und die C-260 und bestätigten meine Erfahrungen.

Den letzten Abschnitt meiner heutigen Etappe fuhr ich auf Nebenstraßen bzw. auf Radwegen. Um 17 Uhr 20 erreichte ich mein Hotel in L'Escala.



Ich war bereits Abendessen an der Uferpromenade. Hier ist ein Lokal neben dem anderen. Die Preise sind wieder deutlich niedriger als in Frankreich. Das gilt für mein Hotel genauso wie für mein Abendessen. Ich hatte Schweinskotlett mit Salat und Brot, dazu einen Liter Mineralwasser, zum Abschluss einen Espresso. Auf dem Rückweg zum Hotel kam ich noch an einem Eisgeschäft vorbei und konnte so gar nicht widerstehen!




Mittagessen: Nix, ich hatte noch 2 Birnen dabei. Kaffee in einer Bar in Le Perthus.
Übernachtung: Hotel Can Català  - Zimmer sehr groß und sauber, Badezimmer ebenfalls groß, WLAN funktioniert gut, aber nicht sehr gut. Das Fahrrad steht in der Garage. Preis deutlich niedriger als zuletzt in Frankreich!
Abendessen: Schweinskotlett mit Salat und Brot, dazu einen Liter Mineralwasser, zum Abschluss einen Espresso in einem der vielen Lokale auf der Strandpromenade.

Gesamtstrecke 97,31 km
Zeit in Bewegung 5 h 56'
Gesamtzeit 8 h 56'
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 27 °C
anfangs fast nur Sonne, im Laufe des Tages zogen ein paar Wölkchen vorbei.

Summe aller Steigungen: 629 m
Höhe Saint-Cyprien: 55 m ü NHN
Höhe L'Escala: 27 m ü NHN



2 Kommentare:

  1. Über die Hälfte hast es geschafft….jetzt einige Tage in Barcelona und dann weiter…..ich bin soooooo stolz und freu mich für Dich dass Du das schaffst…stolz dass ich Dich kenn und an Deiner Reise „mitnaschen“ darf…..

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    1. Jetzt steh ich ein bissl an, wer anonym ist. Bei den bisherigen anonym-Kommentaren war es immer klar.
      Danke!

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