Panice Soprana - Colle di Tenda - Baisse de Peyrefique - Casterino - Ventimiglia:
Es kam, wie es kommen musste - und trotzdem war diese Etappe ein absolutes Highlight!
Die Wettervorhersagen waren sehr gut (was für die Berge ganz besonders wichtig ist). In der Früh schaute ich aus dem Fenster. Blauer Himmel, Sonnenschein. Das Thermometer auf meinem Navi zeigte 12 °C an. Perfekt!
Mein Frühstück war mager. Der Kellner hatte am Vorabend eine Jausenbox vorbereitet, die - wie konnte es anders sein - mit Zwieback, Marmelade, einem Muffin und einem Müsliriegel sowie Orangensaft und Mineralwasser befüllt war. Wenigstens musste ich nicht mit knurrendem Magen losfahren!
Um 7 Uhr 39 fuhren wir los. Das Quartier war direkt an der alten Passstraße, also ging es gleich bergauf. Auffi auf den Berg. Die Ligurischen Alpen warteten. Anfangs war ich immer wieder im Wald unterwegs, hatte aber auch einige offene Bereiche, in denen ich auf Panice Soprana runterschauen konnte. Der Ort wurde immer kleiner und lag immer tiefer unter mir. Der Himmel war kitschig blau, die Sonne schien.
Der Anstieg war nicht steil, maximal 9 %, so dass ich beim Fahren fotografieren konnte.
Kehre für Kehre kletterte ich höher. Das Bergpanorama wurde immer imposanter, je höher ich kletterte. Mal hatte ich 8 bis 9 % Steigungsgrad, dann wiederum nur 5 bis 7 %. Die Kehren waren immer besonders angenehm, da sie flacher als die Geraden waren. Aber auch die Geraden hatten teilweise nur einen moderaten Steigungsgrad. Eine e-Bike Fahrerin ohne Gepäck überholte mich. Ich sah nur wenige Motorräder, ein einziges Auto und einen Lieferwagen. Carabinieris waren diesmal gar keine unterwegs.
Beim Chalet Le Marmotte teilte sich die Straße. Der linke Ast ist der Einstieg in die Ligurische Grenzkammstraße (Via del Sale), während der rechte Ast auf den Colle di Tenda raufgeht. Eine langgezogene Gerade, eine Kurve nach rechts und noch einmal eine langgezogene Gerade. Steigungsgrad 14 %. Ich musste mich doch noch ein bissl anstrengen für meinen Pass!
Und am Ende der langen Geraden war ich schließlich oben! Oben auf dem Colle di Tenda auf 1870 m Höhe!
Die Ligurische Grenzkammstraße (häufig als LGKS abgekürzt, französisch Route du Marguareis; italienisch Alta via del Sale) führt als ehemalige Militärstraße entlang der Grenze zwischen Frankreich und Italien. Ihre auf losem Untergrund befahrbare Länge beträgt 63 Kilometer – vom Colla Melosa bis zum Abzweig am Colle di Tenda. Ein Großteil der Straße befindet sich in Höhenlagen über 2000 Meter. Die Grenzkammstraße wurde insbesondere zwischen den Weltkriegen in der Mussolinizeit benutzt und instand gehalten. Zahlreiche Militärforts, wie das Forte Centrale und das Fort Colle Alto am Tenda-Pass säumen die hochalpine Kammstraße. Die meisten Höhenforts wurden zwischen 1880 und 1940 erbaut. Die Straße überquert mehrmals die Grenze, da der Grenzverlauf in der Region vor 1947 teilweise ein anderer war als heute.
Am Scheitel des Colle di Tenda Richtung Westen zweigt die Piste zur Baisse de Peyrefique ab, einem Sattel auf einer Höhe von 2028 m. Diese Piste ist ebenfalls eine ehemalige Militärstraße, sozusagen die Fortsetzung der Ligurischen Grenzkammstraße. Sie verläuft in südwestlicher Richtung. Man passiert das Fort Marguerie, bevor sich der Weg im weiten Bogen nach Süden wendet. An der Baisse de Peyrefique verzweigt sich die Piste, über die südwestlichere schmale und sehr holprige Strecke gelangt man nach Casterino. Die alte Militärstraße zur Baisse de Peyrefique diente der Versorung der Forts Marguerie, Giaure und Pernante.
Der Colle di Tenda (deutsch Tenda-Pass, französisch Col de Tende) ist ein Übergang über die Alpen zwischen Italien und Frankreich. Er trennt die Seealpen von den Ligurischen Alpen. Die gleichnamige, unter Napoleon ausgebaute Passstraße verbindet den Großraum Turin mit Nizza über die Städte Cuneo im Piemont und Ventimiglia am Mittelmeer. Der Pass selbst gilt als der südlichste der großen Alpenpässe. Die Passhöhe in 1870 m Höhe liegt direkt auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien. Die Südrampe der Passstraße zählt mit ihren teils dicht übereinanderliegenden 46 Kehren zu den spektakulärsten Passstraßen der Alpen. Sie ist nur zum Teil asphaltiert, ab Kehre 31 bis Kehre 46 (ungefähr 300 Höhenmeter und 4 km) ist die Passstraße geschottert.
Auf der Passhöhe des Colle di Tenda befinden sich - wie oben schon erwähnt - umfangreiche Festungen aus dem 19. Jahrhundert, die von Italienern erbaut wurden. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nutzlos, als im Friedensvertrag zwischen Italien und Frankreich 1947 die Grenze hinter die Festungen verlegt wurde.
Das Forte Centrale (frz. Fort Central) wurde 1880 erbaut, als das Gebiet zu Italien gehörte. Mit 1908 m Höhe liegt die Festung etwas höher als der Pass. 1947 wurde die Gemeinde Tenda, und somit auch die Festung, an Frankreich abgetreten.
Gleich daneben liegt das Fort Colle Alto. Es wurde von den Piemontesen von 1881 bis 1885 nach Plänen von Giuseppe Maggia und Bartolomeo Mersi erbaut und ebenfalls ab 1947 nach dem Vertrag von Paris an Frankreich übergeben!
Die Auffahrt auf den Colle die Tenda war schon ein Erlebnis. Und der Blick von oben erst recht. Ein absolutes Highlight! Der Pass ist ein Juwel. Und die Gegend sowie das Panorama oben ein Traum.
Das erste, was ich anpeilte, waren die beiden Forts in der Nähe, Fort Central und Fort Colle Alto. Ich ließ mein Rad samt Gepäck stehen und stapfte hinauf.
Das ist der Blick auf die Südrampe des Colle di Tenda:
Nach meiner Besichtigungsrunde kehrte ich wieder zu meinem Rad zurück und stand vor diesem Schild:
Ein Kontrollfahrzeug kam gerade die Schotterkehren hinauf zur Passhöhe des Colle di Tenda. Wir fragten, ob eine Abfahrt für uns mit dem Rad möglich wäre. Nein, da geht gar nichts! Beim Einmünden der alten Passstraße in die Hauptstraße ist alles abgesperrt wegen der Baustelle! Die Info mit den Zeitfenstern stimmte also. Wir konnten den Pass nicht runterfahren.
In der Zwischenzeit fand ich heraus, dass sich die Bauarbeiten für das Südportal des Tende-Tunnels sowie für die Zufahrt von der Hauptstraße zum Tunnel noch bis 2025 hinziehen werden.
Na ja - somit kam Plan B ins Spiel: Umfahrung über die alte Militärstraße zur Baisse Peyrefique und weiter über die Schotterpiste nach Casterino.
Auffi auf die Pist'. Kurz nach der Abzweigung kamen wir an einem alten Bunker vorbei, danach sahen wir bereits das Fort Marguerie.
Von hier aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die Südrampe des Colle di Tenda. Man sah direkt, wie sich die 46 Kehren wie Falten übereinanderlegen. Sogar die Baustelle konnte man erahnen.
Weiter ging's ... ähm ... das sind doch die Schafe, die ich vorhin schon bei den beiden Forts am Colle di Tenda gesehen hatte? Nein! Wir schoben unsere Räder Schritt für Schritt hinter der Schafherde her. Ein Auto war ebenfalls im Schritttempo unterwegs, bevor der Schafhirte eine günstige Stelle fand und seine Schafe beiseite lenkte. Merci beaucoup! Selbstverständlich war das ja nicht! Vor allem war das Gelände steinig, felsig und schroff.
Und schließlich erreichten wir den höchsten Punkt: die Baisse de Peyrefique.
Geschafft! Oder doch noch nicht? Nein! Bei weitem noch nicht! Von nun an ging's bergab. Aber auf SCHOTTER! Und das bei einem Steigungsgrad von bis zu 14 %.
Bist du g'scheit! Nach einer abenteuerlichen Berg-Schotter-Talfahrt, die auf den Schotteranstieg gefolgt war, erreichten wir Casterino. Und im ersten Beisl, das sich uns in den Weg legte, kehrten wir ein und bekamen eine Brettljause mit vieeeeeel Wasser.
Ab Casterino fuhren wir wieder auf Asphalt! Wir fuhren zügig bergab den Torrent de Bieugne, einen Nebenfluss der Roya, entlang und stellten fest, dass auch hier noch Folgen der Unwetterkatastrophe 2020 zu sehen waren. Auch hier gab es Baustellen und neu aufgebaute Kehren. Und man sah noch immer Spuren der Verwüstung.
Was für eine Alternativstrecke, was für eine abenteuerliche Fahrt!
Ab Saint-Dalmas de Tende waren wir wieder an der Roya auf der mir noch aus dem Vorjahr bekannten Strecke. Die Landschaft im Royatal ist so schön! Man fährt die Roya wie durch eine Schlucht entlang, die links und rechts von bewaldeten Felswänden gesäumt ist. Eine sehr schöne Landschaft!
Und kaum hatten wir die französische Grenze überschritten, waren wir auch schon wieder in Italien.
Örks .... Tunnel mit einer Länge von 3,34 km. Den kannte ich doch schon aus dem Vorjahr? Fahrradfahren verboten. Eh klar. Letztes Jahr wollte ich eine Umfahrungsstraße nehmen. Nach 2,5 km war diese Straße jedoch wegen einer Baustelle gesperrt. Wie ist wohl dieses Jahr die Lage? Sperre oder nicht Sperre? Das ist hier die Frage (frei nach Shakespeare).
In Airole stand bereits angeschrieben, dass die Umfahrungsstraße gesperrt war. Reiner wollte jedoch unbedingt wissen, ob sie wirklich gesperrt war! Also gut. Probieren geht über studieren. Nach 2,5 km war die Straße gesperrt. Barrikade, nichts geht mehr. Oder doch?
Da ist ja eine kleine Lücke neben der Barrikade? Die eigentliche Umfahrungsstraße war weiter vorne abgerutscht oder nur noch in Teilen vorhanden. Links daneben fließt die Roya. Ich kann nur vermuten, dass diese Straße auch dem Unwetter 2020 zum Opfer gefallen war. Aber rechts neben der Umfahrungsstraße war ein schmaler Pfad zum .... ja, wirklich ... zum Tunnel! Und zwar zu einem "Seiteneingang". Bei der Einfahrt zum Tunnel sind Fahrräder nicht erlaubt. Aber von der Seite machen sie eine Öffnung, damit man doch in den Tunnel darf? Von der Seite in einen Tunnel hineinzufahren, in dem Autos düsen, ist ja völlig ungefährlich für einen Radfahrer. Eh klar.
Wir fuhren in diesen Seiteneingang. Gegenüber ein Schild - nach rechts 1,67 km, nach links 1,67 km. Wir waren hier genau in der Mitte des Tunnels. Super! Fahren wir jetzt nach links oder nach rechts?
- Nach links. Da geht es bergab. Letztes Jahr bin ich im Tunnel auch bergab gefahren.
- Nein, nach rechts. Die Roya fließt da drüben.
- Die Roya macht Kurven. Der Tunnel auch.
- Ich frag mein Handy. KEIN NETZ!
- Ich frag mein Navi. WARTE AUF GENAUERE INFORMATIONEN.
Ich krieg die Krise.
Die Wahl fiel auf RECHTS. Und ... wir kamen tatsächlich am richtigen Ende aus dem Tunnel! UFFFFFF!
Um 17 Uhr hatten wir Blick aufs Meer! Wir erreichten das Meer in Ventimiglia! Hier mündet auch die Roya ins Mittelmeer. Bevor wir das vorgebuchte Quartier aufsuchten, gönnten wir uns noch einen Kaffee und einen Aperol Spritz in einer Strandbar in der Nähe und beobachteten zwei Wasserflugzeuge, die immer wieder Wasser im Meer auftankten und anscheinend einen Brand löschten.
Um 18 Uhr 23 checkten wir im Quartier ein. Diesmal war es ein Privatzimmer.
Was für eine Etappe! Diese Etappe war ein absolutes Highlight. Alpenüberquerung, alte Militärschotterstraße mit historischen militärischen Anlagen, Royatal und Wiedererreichen des Mittelmeers. Und das bei Kaiserwetter. Anstrengend, aber absolut lohnenswert!
Mittagessen: Brettljause in einem Beisl in Casterino, anschließend Pfirsichkuchen und Espresso. Dazu vieeeeeel Mineralwasser.
Übernachtung: Privatzimmer - Zimmer sauber und in Ordnung. Frühstück gut und reichlich. WLAN funktioniert überhaupt nicht. Preis leistbar.
Abendessen: Spaghetti Carbonara, grüner Salat, Panna Cotta und Espresso in einem der vielen Pizzerias auf der Strandpromenade. Bissl fad gewürzt.
Gesamtstrecke 78,75 km
Zeit in Bewegung 5 h 10'
Gesamtzeit 10 h 42'
Temperatur in der Früh 12 °C, tagsüber bis zu 29 °C
Sonne pur
Summe aller Steigungen: 991 m
Höhe Panice Soprana: 1.411 m ü NHN
Höhe Ventimiglia: 7 m ü NHN























































Das war eine echte Adventure Tour!
AntwortenLöschenLG SE
Ja, das war es. Und wie!
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