Donnerstag, 31. August 2023

Tag 15: Pavia bis Casale Monferrato

Pavia bis Casale Monferrato:

Das Self Service Frühstück war - wie sollte es anders sein - nicht berühmt. Das Brot, das der Vermieter am Vortag hergerichtet hatte, war vertrocknet und hart. Zwieback ess ich eh nicht, außer ich bin krank. Butter und Marmelade, Packerl-Orangensaft und Nespresso-Kaffee (sehr gut!!!!), außerdem viel Mineralwasser versöhnten mich wieder. Nicht zu vergessen parfumiertes Joghurt mit undefinierbarem Geschmack. Heidelbeer hat genau gleich geschmeckt wie Erdbeerjoghurt. Na ja ...

Bei 18 °C fuhren wir los. Außi aus der Stadt, über die historische alte Brücke über den Ticino und Richtung Süden. Pavia liegt nördlich vom Po. Da die Stadt aber historisch interessant ist, führt der Poradweg weg vom Po durch die Stadt und danach wieder zurück.




10 km fuhren wir in südlicher Richtung, bis wir wieder den Po erreicht hatten. Und dann ging es auf .... ähm .... SCHOTTER weiter. Na super. Rumpeldibumpel.



Nach weiteren 12 km verließen wir die Piste wieder, um in Richtung Nordwesten auf einer SP-Straße weiterzufahren. Wir fanden heute sogar mehrere SP-Straßen. Wir hielten uns nicht immer an die Poradroute, da die Route einige Male in eine Rumpelpiste überging. Immerhin war so gut wie nichts los auf diesen SP-Straßen. Und angenehmer als auf Schotter zu fahren, war es allemal. Dadurch kamen wir durch Dörfer und konnten die Infrastruktur nutzen. Bar oder Café war immer ein sicheres Zeichen für einen Espresso :-) Der Poradweg selbst bietet leider überhaupt keine Infrastruktur.




Auf diese Weise dürften wir sogar wieder den Kontinent gewechselt haben .... 



Im Laufe des Vormittags wurde mein Hunger immer größer. Wenn man an einem Tag die Kontinente wechselt, ist das ja auch kein Wunder! In Frascarolo fanden wir schließlich ein Café.


Mein erschrockener Blick richtete sich nicht auf die Wetterlage, die übrigens auch heute wieder herrlich war, sondern auf den Kran, von dem aus unmittelbar neben uns zwei Bauarbeiter auf die Fassade kletterten. Schneller Tischwechsel war angesagt, falls irgendein Trumm auf unseren Kopf fällt! Mein Eis samt Espresso hat mir trotzdem geschmeckt :-)

Gestärkt fuhren wir weiter. Kurz nach der Mittagspause in Frascarolo fuhren wir doch kurz auf eine SS-Straße. Einerseits wegen der heutigen Übernachtung auf der anderen Seite des Po (die SS 494 führt auf einer Brücke über den Po), andererseits wegen eines weiteren Pistenabschnitts des Poradweges. Die Piste, die man unten rechts neben der Straße sieht, kreuzte die Straße. Hier hätten wir weiterfahren sollen. Wir zogen die Straße der Rumpelpiste vor.


Hier verließen wir die Lombardei und waren nun in der Provinz Alessandria unterwegs.




Nach der Brücke konnten wir auf einer SP-Straße weiterfahren, die kaum befahren war. Kurz vor Casale Monferrato kamen wir noch an einer Burg vorbei: Castello di Pomaro.



Casale Monferrato erreichten wir um 15 Uhr, das vorgebuchte Hotel - diesmal ein feudales Business Hotel - ein paar Minuten später. WLAN funktioniert wunderbar, die Klimaanlage ebenfalls. Nur Garage gibt es keine. Die Räder stehen (leider!) im Freien neben dem Hoteleingang. Ganz wohl ist mir nicht dabei! Ich hab alles abgeräumt und abmontiert, was nicht niet- und nagelfest ist. Man weiß ja nie. Ich hab so meine Erfahrungen ... 

Mittagessen: Panini mit Schinken und Käse in einem Café in Frascarolo, anschließend Eis und Espresso.
Übernachtung: Business Hotel - Zimmer riesengroß und sauber, WLAN funktioniert sehr gut, die Klimaanlage ebenfalls. Ich glaub, ich muss sie bald ausschalten, bevor ich Frostbeulen bekomme. Preis in Ordnung für die Qualität und Leistung.
Abendessen: Restaurant bzw. Pizzeria neben dem Hotel. Essen sehr gut!

Nachtrag: Das Hotel hatte noch Turbulenzen auf Lager. Im Zimmer wurde es allmählich immer kühler und kühler. Die Klimaanlage lief auf Hochtouren, bis mir richtig kalt wurde. Ich bekam tatsächlich schon Frostbeulen. Nur wie schaltet man die Klimaanlage aus? Wo gibt es einen Schalter? Eine Fernbedienung? Nix. Ich ging zur Rezeption und ließ mir erklären, wie man den Schalter oberhalb des Lichtschalters betätigt, und ging zurück zu meinem Zimmer. Reiner hatte in seinem Zimmer genau das gleiche Problem. Ich erklärte auch ihm den Trick mit der Klimaanlage. Ich öffnete meine Zimmertür, steckte die Platte, die zum Schlüssel gehörte, in die vorgesehene Halterung. Es blieb finster. Vorhin ging das Licht doch noch? Die Klimaanlage lief aber trotzdem. Auch der Fernseher war auf Bereitschaft. Nur Licht hatte ich keines mehr. Zurück zur Rezeption: ich hab kein Licht. Die nette Dame an der Rezeption ging mit mir zu meinem Zimmer. Aaaah die Sicherung ist kaputt. Da geht nichts mehr. Ich bekam ein neues Zimmer im 5. Stock. Aufzug? Der blieb entweder gar nicht stehen oder fuhr in die falsche Richtung. Also trug ich meine 7 Sachen auf 4 Etappen über das Stiegenhaus vom 2. Stock in den 5. Stock. Geschafft!

Reiner konnte seine anfänglichen Dunkelheiten und Klimaanlagenschwierigkeiten nach einigem Hin und Her lösen und stellte sein Fahrrad in sein Zimmer. Gute Idee! Das mach ich auch! Aber vorher brauchte ich noch Batterien für die Hupe. Die bekam ich von der netten Dame an der Rezeption. Ich machte gleich ein gröberes Service: Batterietausch, Reifen aufpumpen und vorderes Schutzblech weg. Das sieht so komisch aus, wenn ein Fahrrad vorne ein Schutzblech hat und hinten keines. Also weg damit. Es landete im Müll vom heutigen Hotel.

Nun hab ich wieder - wie gestern auch - mein Fahrrad im Zimmer stehen. Vor dem Fernseher. Und mein mulmiges Gefühl ist weg.

Das Abendessen war gut und üppig: Tagliatelle mit 4 Käsesorten, Salat, 1 1/2 Liter Mineralwasser, Eis und Espresso. Mein Mineralwasserkonsum erhöhte sich heute auf 5 Liter gesamt.
 
Gesamtstrecke 79,38 km
Zeit in Bewegung 4 h 16'
Gesamtzeit 6 h 48'
Temperatur in der Früh 18 °C, tagsüber bis zu 25 °C
Sonne am Vormittag, ein paar Wölkchen ab Mittag

Summe aller Steigungen: 186 m
Höhe Pavia: 81 m ü NHN
Höhe Casale Monferrato: 111 m ü NHN

Mittwoch, 30. August 2023

Tag 14: Cremona bis Pavia

Cremona bis Pavia:

Es geht doch nix über einen guten Schlaf. Gut ausgeruht machte ich mich samt Gepäck auf den Weg in den Konferenzsaal, um mein Fahrrad zu bepackeln. Anschließend setzte ich mich zum Frühstück. Ich wurde satt, über die Auswahl beim Frühstück beklag ich mich besser nicht mehr.

17 °C, blauer Himmel, der Wetterbericht meldete Schönwetter bei maximal 25 Grad. Was will man mehr. Ich schob mein Fahrrad aus dem Konferenzsaal. Ähm ... wieso rattert das? Das Hinterrad vibriert doch irgendwie komisch? Ich stellte das Rad vor den Eingang und inspizierte das Hinterrad von allen Seiten. Die Pedale ließen sich mühelos drehen. Ich machte eine Proberunde um den Parkplatz. Da hat's was! Mein Blick fiel auf das Schutzblech. Das war irgendwie schief. Aaaah die Schraube vorne ist locker. Ich bin ja ausgestattet: Imbusschlüssel-Set, Schraubenzieher, Gabelschlüssel, Zange, Schweizermesser. Ich zog die Schraube fest. In der Zwischenzeit kam Reiner aus dem Hotel. "Ich fixier die Mutter, du ziehst die Schraube an." Die Schraube drehte sich durch. Das gibt's doch nicht? Die Schraube ist GEBROCHEN! Da geht ja gar nix mehr. Die Halterung ist kaputt. Und somit kann man auch das Schutzblech nicht fixieren. Na toll!

Mein erster Gedanke war: Die Sonne scheint, ich brauch kein Schutzblech. Weg damit. In 20 Sekunden war das Schutzblech weg. Der Müllcontainer um die Ecke schluckte das Schutzblech, ich räumte das Werkzeug wieder ein, montierte die Packtaschen. Und wir fuhren los. Ohne Schleifgeräusch, ohne Rattern, ohne Vibrieren.


Die zweite Hürde war das Verlassen der Stadt. Das Hotel war zwar nicht im Zentrum, wir mussten aber doch quer durch Cremona fahren, um den Po zu erreichen. Links und rechts, dann gegen die Einbahn und auf den Gehsteig und lieber doch auf der Straße, falsch abgebogen, die nächste Einbahn ist mir jetzt wurscht ... Eine halbe Stunde dauerte es, bis wir am Poradweg waren.

Geschafft!

Heute sahen wir anfangs wieder recht viel Wasser. Wir fuhren den Po entlang, hatten immer wieder Blick auf den Po. Der Po schlängelt sich mittlerweile schon recht deutlich. Kurve um Kurve folgt man auf dem Poradweg dem allmählich dünner werdenden Fluss. Wir fuhren aber auch Nebenflüsse wie den Adda oder den Lambro und (in der Nähe von Pavia) schließlich den Ticino entlang. Und auch Kanäle und Altarme des Po waren unsere begleitenden Gewässer.






Ob hier wohl noch jemand wohnt? Die Müllabfuhr war wohl schon länger nicht mehr hier.




Wir fuhren auf Asphalt genauso wie auf Schotter und Sand. Apropos Schotter, Sand und Co.: 
Man nehme Sonnencreme (damit man nicht gleich wieder eine Sonnenallergie bekommt), rumpelt ein bissl auf Sand-/Schotterradwegen. Und schon ist man paniert. Fertig ist das Schnitzel! Ich war heute ziemlich paniert unterwegs.

Auch meine Packtaschen sind täglich eingestaubt. Aber besser eingestaubt als eingegatscht, muss ich auch dazu sagen!

Ich glaub, wir waren sogar ganz kurz in Afrika!?


Um die Mittagszeit führte uns unser Etappe nach Orio Litta. Zeit für einen Imbiss und eine Pause. Wir fanden eine Bar, in der man nicht nur Panini und Pizzaschnitten, sondern auch himmlisches Eis bekam! Dazu italienischen Espresso :-)

Am Nebentisch sammelte sich langsam eine Gruppe Männer teils höheren Alters und begann angeregt zu diskutieren. Ich verstand natürlich nur Bahnhof, beobachtete sie aber amüsiert. Mir gelang es sogar, unbemerkt ein Foto zu machen. :-)


Es ist nicht das erste Mal, dass ich in Italien diskutierende Männer beobachtete. Bars und Cafés eignen sich dafür wohl am besten dafür. Und Zeit hatten sie anscheinend ohne Ende. Von Hektik merkt man hier gar nichts.

Nach der Mittagspause wichen wir ein bissl auf eine SP-Straße aus, bevor wir den letzten Abschnitt bis Pavia wieder auf dem Poradweg unterwegs waren. Die Ortstafel von Pavia erreichten wir um 16 Uhr 30, das Quartier um 17 Uhr. Eine sehr christliche Zeit nach einer Etappe von immerhin 102 km. Allerdings sind die Etappen am Po sehr flach, so dass man flott vorankommt.


Die heutige Etappe war wieder recht abwechslungsreich. Von Wasser und Naturlandschaft über Dörfer bis hin zu Provinzstraßen mit zunehmendem LKW-Verkehr war alles dabei. Das Wetter war herrlich, blauer Himmel und Sonnenschein, dabei angenehme Temperaturen von bis zu 25 Grad. Der Wetterbericht hat sein Versprechen gehalten!

Das Quartier ist diesmal ein Bed & Breakfast mit Self Check-in. Mein Fahrrad steht im Zimmer und verdeckt mir den Blick auf den Fernseher. In der Küche sowie im Aufenthaltsraum sind Brot, Butter, Marmelade, Joghurt, Orangensaft und Mineralwasser sowie eine Kaffeemaschine hergerichtet. Somit steht einem frühen Frühstück und einem Start vor 8 Uhr nichts mehr im Weg.

In Pavia gibt's tatsächlich geöffnete Restaurants! Sogar gleich mehrere zur Auswahl. In einer Pizzeria bekam ich Gnocchi con gorgonzola, dazu gemischten Salat und zum Abschluss Mascarpone Creme und Eis. Espresso doppio durfte natürlich auch nicht fehlen.

Mittagessen: halbe Pizza in einem Café in Orio Litta, anschließend gemischtes Eis und einen Espresso doppio.
Übernachtung: Bed & Breakfast Civico - Zimmer sauber und groß, WLAN funktioniert sehr gut. Preis leistbar. Self Service für Check-in genauso wie für das Frühstück morgen.
Abendessen: in einer Pizzeria im Ort.
 
Gesamtstrecke 101,93 km
Zeit in Bewegung 5 h 49'
Gesamtzeit 8 h 18'
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 25 °C
Sonne pur den ganzen Tag

Summe aller Steigungen: 318 m
Höhe Cremona: 45 m ü NHN
Höhe Pavia: 81 m ü NHN

Dienstag, 29. August 2023

Tag 13: San Benedetto Po bis Cremona

San Benedetto Po bis Cremona:

Es hat tatsächlich abgekühlt! Der Wolkenbruch von gestern Abend hat die Temperaturen abgesenkt! Ich konnte so herrlich schlafen! Endlich!

Geplante Abfahrt war um halb 8 Uhr. Aber die Wetter APP wollte so gar nicht mitspielen. Um halb 8 Uhr begann es zu schütten. Abwarten und Tee trinken war die Devise - oder eigentlich nur Wasser trinken, denn Frühstück gab's hier nicht.


I'm singin' in the rain
just singin' in the rain
what a glorious feeling
I'm happy again.
I'm laughing at clouds ...

Der Regen hörte auf, und wir konnten um 8 Uhr 06 starten. Über die Brücke neben Il Capitano auf die andere Seite des Po und rauf auf den Radweg/Dammweg. Da wir allerdings noch nicht gefrühstückt hatten, wechselten wir bald auf die nahegelegene Landstraße und fanden in Borgoforte eine Bar, in der wir Kaffee und Croissant bekamen. Köstlich :-)

Gestärkt fuhren wir zurück zum Poradweg. Der Poradweg hat meistens zwei Alternativen: rechtes Ufer oder linkes Ufer. Oder in anderen Worten: Sinistra Po oder Destra Po. Im Gegensatz zu gestern fuhren wir heute allerdings teilweise abseits vom Po und sahen ihn vielfach gar nicht. 




Ab Scorzarolo fuhren wir einen Nebenfluss des Po entlang - den Oglio. Auf diesem Abschnitt unserer heutigen Etappe waren wir teilweise auf einem Sandradweg unterwegs, mitten in der Natur.



Ab und zu regnete es ganz leicht, hörte dann aber doch wieder auf. Die schwarze Wolkenwand war zeitweise vor uns, dann wieder links von uns. In Commessaggio erwischte uns schließlich ein Wolkenbruch vom feinsten. Unter dem Balkon eines (geschlossenen) Gasthauses warteten wir den Regenguss ab, bevor wir weiterfuhren.

Da wir ohnehin wenig vom Po zu sehen bekamen, blieben wir auf den letzten 15 km bis zum Etappenziel Cremona auf der kaum befahrenen Landstraße statt auf dem Poradweg. Durch kleine Ortschaften zu fahren, fand ich auch sehr nett.





Die Etappe war durch die teilweise abseits vom Po geführte Route abwechslungsreich. Ich fuhr nicht nur am Wasser, sondern auch durch Ortschaften. Allerdings war auch das Wetter abwechslungsreich. Von Sonne bis Wolkenbruch war alles dabei. Aber immerhin waren die Temperaturen heute sehr angenehm bei maximal 25 Grad! Herrlich :-)

Die Ortstafel von Cremona erreichten wir um 16 Uhr 25, das vorgebuchte Hotel eine halbe Stunde später. Diesmal ein Bed & Breakfast mit gehobenem Komfort! Frühstück gibt es ab 7 Uhr! Die Fahrräder stehen im Konferenzraum des Hotels :-) Auch gut.

Über die Stadt Cremona hab ich google ein wenig befragt:

Cremona ist eine Stadt in der Lombardei am linken Flussufer des Po inmitten der Po-Ebene mit 72.672 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019). Zugleich ist Cremona Verwaltungssitz der Provinz Cremona.
Die Stadt wurde insbesondere bekannt durch die Geigenbauerfamilien Amati, Bergonzi, Guarneri und Stradivari. Die traditionelle Geigenbaukunst in Cremona wurde 2012 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannt.

Cremona wurde 218 v. Chr., im selben Jahr wie Placentia (Piacenza), von den Römern als Vorposten gegen die gallischen Stämme gegründet. Es wurde 190 v. Chr. mit 6000 neuen Siedlern verstärkt und bald eine der blühendsten Städte Norditaliens.
Nach der Zweiten Schlacht von Bedriacum im Jahr 69 wurde Cremona von den Truppen des zukünftigen Kaisers Vespasian eingenommen und zerstört, wobei nur der Tempel der Mefitis stehenblieb. Vespasian ordnete den sofortigen Wiederaufbau an, aber die Stadt erlangte nicht wieder ihren alten Wohlstand. Von den Langobarden unter Agilulf wurde sie 605 abermals zerstört, 615 wiederaufgebaut und von langobardischen Herzögen regiert.

1499 wurde Cremona von den Venezianern besetzt, fiel aber 1512 an Massimiliano Sforza. Nach Sforzas Tod eroberte Frankreich das Gebiet. 1518 konnte es von kaiserlichen Truppen zurückerobert werden. 1535 kam es zusammen mit der übrigen Lombardei an die Habsburger (ab 1544 zur spanischen Linie).

Unter den österreichischen Habsburgern erlebte Cremona im 18. Jahrhundert eine Blüte. In der von Napoleon Bonaparte 1797 gegründeten Italienischen Republik war es die Hauptstadt eines Départements. Zusammen mit der übrigen Lombardei kam Cremona 1814 wieder zu Österreich und wurde Teil des habsburgischen Königreichs Lombardo-Venetien. Nach der Niederlage im Sardinischen Krieg musste Österreich das Gebiet an Frankreich abtreten, das es 1860 mit dem Königreich Sardinien-Piemont gegen Nizza und Savoyen tauschte. So wurde Cremona 1861 Teil des neuerrichteten Königreichs Italien.

Das Abendessen erwies sich als schwierig. Hier waren alle Lokale, die wir anpeilten, geschlossen. Einzig eine Gelateria hatte geöffnet. Somit gab es Tiramisu und anschließend einen Eisbecher mit Kaffee zum Abendessen. Natürlich begleitet von viel Mineralwasser!

Mittagessen: Panino mit Schinken und Käse in einem Bistro in Casalmaggiore.
Übernachtung: Bed & Breakfast Cremona - Zimmer sauber und groß, WLAN funktioniert sehr gut. Preis relativ gehoben!
Abendessen: Gelateria im Ort, ansonsten gab's nur geschlossene Lokale! Dabei ist heute gar nicht Montag. Sehr seltsam!
 
Gesamtstrecke 96,37 km
Zeit in Bewegung 5 h 57'
Gesamtzeit 8 h 41'
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 25 °C, herrlich kühl :-)
teilweise ein bissl leichter Regen, ein Wolkenbruch, dazwischen ein paar Sonnenstrahlen

Summe aller Steigungen: 181 m
Höhe San Benedetto Po: 24 m ü NHN
Höhe Cremona: 45 m ü NHN

Montag, 28. August 2023

Tag 12: Crespino bis San Benedetto Po

Crespino bis San Benedetto Po:

Meine Nacht war mehr oder weniger schlaflos. Das Zimmer war stickig und heiß, der Ventilator laut. Aber ohne Ventilator wäre ich umgekommen.

Mein Frühstück war etwas spartanisch, aber allmählich gewöhne ich mich daran. Ich bekam mehrere (!) Scheiben Zwieback, dazu Marmelade. Keine Butter. Dafür ein paar Kekse (selbst gebacken!) und ein paar Nektarinen und Weintrauben. Außerdem brachte mir die Vermieterin 0,2 l Orangensaft, Mineralwasser ohne Ende und Kaffee, so oft ich wollte. Der Kaffee war wieder sehr gut! Ja, das können sie in Italien.

Bei 25 °C fuhr ich los. Ich hatte nur ein paar Meter bis zum Radweg. Der Wetterbericht sagte wieder 34 °C voraus, Regenwahrscheinlichkeit 80 %. Und angeblich kühlt es jetzt ab! Kaum war ich auf dem Radweg, wurde es windig und die ersten Tropfen meldeten sich an. 15 Minuten lang regnete es leicht, danach war es fürs erste wieder vorbei. 

Es gibt tatsächlich Fahrradetappen ohne Strada Infernale :-) Ich musste mir heute zwar den Radweg wieder mit Autos teilen, aber viele waren es nicht. Kein Vergleich zu den Abschnitten auf der Strada Statale.

Der Fluss Po (lat. Padus, deutsch veraltet auch: Pfad, aus mhd. Phât oder Pfât) entspringt in den Cottischen Alpen im an der italienisch-französischen Grenze gelegenen Valle Po und mündet nahe bei Adria (Venetien) in die Adria. Mit einer Länge von 652 km ist er der längste Fluss Italiens. Das Einzugsgebiet umfasst eine Fläche von etwa 75.000 km².

Auf weiter Strecke fließt der Fluss durch die Poebene, die wichtigste Landwirtschafts- und Industrieregion Italiens. Der Po hat ein ausgedehntes Delta von etwa 380 km², dessen Fläche sich ständig vergrößert.

Der Fluss ist von der Einmündung des Ticino bei Pavia bis zur Adria schiffbar. In römischer Zeit trug der Fluss den Namen Padus und war namensgebend für die Aufteilung der Gallia cisalpina in die Regionen Gallia cispadana ("Gallien diesseits des Po") und Gallia transpadana ("Gallien jenseits des Po"). Der Oberlauf trug bis zur Einmündung des Tanarus (heute der Tanaro) noch bis in den Anfang der Kaiserzeit den Namen Bodincus, der "Grundlose".
Im 10. Jahrhundert trug der Fluss den lateinischen Namen Eridanus. Der Cremoneser Bischof Liutprand (962–970/972) beantwortet in seinem Gesandtschaftsbericht Liutprandi Legatio die Frage des byzantinischen Kaisers Nikephoros II. Phokas, wo denn die Stadt liege, in der er Bischof sei: "Cremona, sage ich, (ist) dem Eridanus, dem König der Flüsse Italiens, recht nahe."

Allmählich verzogen sich die Wolken, und der blaue Himmel war zu sehen. Es wurde sonnig. Ich musste mich wieder kräftig mit Sonnencreme eincremen. Seit Venedig hab ich gesprenkelte Arme und gesprenkelte Wadln. Einerseits mischten sich zu meinen slowenischen Gelsenstichen neuerdings italienische dazu. Eh klar. Die fragen gar nicht nach. Ist ja auch EU. Also meinen sie, sie dürfen mich einfach so stechen! Und heute musste ich feststellen, dass die Gegend um den Po ganz besonders gelsenreich ist. Aber nicht nur die Gelsen plagen mich, sondern auch die Sonne, die eine Sonnenallergie auslöste. Ich kann mir nun aussuchen, was mir lieber ist: die Gelsenstiche oder die Sonnenallergie?



Ich hatte bei meiner heutigen Etappe immer wieder einen schönen Blick auf den Po. Die Landschaft war schön. Viel Sonne, aber das bin ich schon seit Tagen so gewöhnt. Irgendwann wird sich auch mein Ausschlag wieder beruhigen. Ab und zu hatte ich Blick auf eine Ortschaft, die nahe am Po bzw. nahe am Poradweg lag. Zufahrtswege oder Zufahrtsstraßen ermöglichten es immer wieder, den Poradweg zu verlassen, um durch den Ort zu fahren.


Ich nutzte eine derartige Gelegenheit in Ostiglia, weil mein Magen zu knurren begann. Ich fand eine Bar, in der man auch essen konnte, und bestellte Tagliatelle panna e prosciutto für 7 Euro! Dazu einen Liter Mineralwasser. Während ich noch beim Essen saß, wurde es auf einmal windig, meine Serviette flog davon, meine Mineralwasserflasche flog davon. Ich schaute zum Himmel. DUNKELSCHWARZ! Oh je, die 80 %ige Regenwahrscheinlichkeit meldete sich zu Wort. Ich zahlte und düste los, zurück auf den Radweg. Es begann leicht zu tröpfeln, hörte dann doch wieder auf. Es blitzte und donnerte, Blitz und Donner hörten wieder auf. Was jetzt? Gewitter oder doch nicht? Regenguss oder doch nicht?

Sicherheitshalber verließ ich den Radweg und fuhr auf der Straße weiter. Bis .... ja bis es ordentlich los ging. 20 Minuten lang wurde ich zugeschüttet bis zum geht nicht mehr. So schnell konnte ich meine Regensachen nicht mehr auspacken. Ich war nur froh, dass sich der Donner wieder verzog. Regenguss ist wenigstens harmlos. Der Regenguss ging in Tröpfeln über, und ich erreichte mein Quartier klatschnass um 14 Uhr 28.

Diesmal hatte ich ein Restaurant, das auch Zimmer vermietet. Ein riesengroßes Zimmer mit einer herrlichen Klimaanlage. Essen gibt es erst um 19 Uhr 30. Wenigstens brauch ich nur ein Stockwerk runtergehen. Auch ein Vorteil.

Ab hier hab ich für ein paar Tage Begleitung von Reiner aus Oberfranken, den ich aus einem deutschen Radreiseforum kenne. Es gibt tatsächlich Radfahrer, die meine ausgefallenen Ideen mitmachen! Nur einen kleinen Teil meiner Tour, aber immerhin! Er fuhr von Verona nach San Benedetto und war schon vor mir da.

Mittagessen: Tagliatelle panna e prosciutto in einer Bar in Osteglia nahe am Poradweg.
Übernachtung: Residenza Il Capitano - Zimmer sauber und riesengroß, WLAN funktioniert sehr gut. Klimaanlage funktioniert ebenfalls sehr gut. Preis leistbar.
Abendessen: Das Abendessen im Haus war sehr gut, aber nicht gerade günstig.
 
Gesamtstrecke 98,46 km
Zeit in Bewegung 5 h 15'
Gesamtzeit 6 h 58'
Temperatur in der Früh 25 °C, tagsüber bis zu 30 °C
in der Früh leichter Regen (15 Minuten lang), danach zunehmend Sonne, um die Mittagszeit zogen Wolken auf und führten schließlich zu einem heftigen Wolkenbruch

Summe aller Steigungen: 218 m
Höhe Crespino: 2 m ü NHN
Höhe San Benedetto Po: 24 m ü NHN

Sonntag, 27. August 2023

Tag 11: Venedig bis Crespino

Venedig bis Crespino:

Tagwache war heute wieder um 4 Uhr. Temperatur 24 °C, der Wetterbericht sagte Temperaturen bis 36 °C voraus, regional bis 39 °C in "meiner Gegend" (wie beispielsweise Padua). Mein Frühstückspaket lag ab 5 Uhr an der Rezeption. Es bestand aus 2 Scheiben Zwieback und einem Packerl Marmelade, außerdem einem paketierten Croissant. Im Erdgeschoß gab es einen Kaffeeautomaten und einen Getränkeautomaten. Fürs erste war das ausreichend.

Ich bepackelte mein Fahrrad, das während meiner Pause in Venedig in einem Innenhof des Hotels geparkt war, und fuhr noch in der Dämmerung los auf den Radweg neben der Straße auf dem Damm ("Ponte della Libertà") von Venedig nach Mestre.


JUHUUUU! Geschafft! Das war sogar richtig einfach!

Aus Mestre raus konnte ich Gott sei Dank eine anfangs noch wenig befahrene Straße nehmen, bis ich in Malcontenta, einem Vorort von Mestre, auf der SS 309 Richtung Südwesten weiterfuhr. Aus war's mit der Ruhe auf der Straße. Die Strada Statale war auch um 6 Uhr schon stark befahren, sogar an einem Sonntag!

Um diese Uhrzeit hatten die Tankstellen leider noch geschlossen, so dass mein zweites Frühstück auf sich warten ließ. Je weiter ich mich von Mestre entfernte, desto schwächer wurde das Verkehrsaufkommen. Ich fand auch ab und zu ein kleines Rastplatzerl. Fast schon idyllisch! Fast ....



Die letzten 20 km bis zu meinem Etappenziel Crespino fuhr ich auf abgelegenen Straßen und erreichte schließlich den Po!

In Santa Margherita fand ich ENDLICH auf dem Navi-Display ein Bestecksymbol an der nahegelegenen Landstraße und holte mein zweites Frühstück nach!


Bis auf diesen kleinen Ausflug zur Straße war ich nun am Poradweg unterwegs bis Crespino. Der Poradweg ist zumindest hier kein richtiger Radweg, sondern eine Straße (eine sehr ruhige Straße). Aber das sollte sich ja noch ändern.





Ganz stressfrei erreichte ich um 13 Uhr 20 mein Quartier, ein Bed & Breakfast.


Jetzt hatte ich noch viel Zeit, um zu duschen und mich ein bissl aufs Ohr zu hauen. Der Ortskern von Crespino ist nicht weit entfernt. Ich werde mich nachher auf den Weg in den Ort machen. Mein Haubenlokal vom vergangenen Jahr ist laut googlemaps 450 m entfernt. Genau das war mein Ziel für mein Abendessen.

Mittagessen: fiel aus.
Übernachtung: Bed & Breakfast Fetonte - ein sehr gepflegtes Haus, Zimmer sauber und riesengroß, WLAN funktioniert mäßig. Preis wieder leistbarer als zuletzt.
Abendessen: in "meinem" Haubenlokal. Das Lokal nennt sich Taberna, und das Essen war einfach toll! Mehrere Gänge mit Käsekompositionen, 3 verschieden überbackenen Brotscheiben, Roast Beef als Hauptspeise mit gekochtem Gemüse. 2 Liter Mineralwasser. Zum Abschluss einen Pfirsichkuchen mit Mascarponecreme garniert und einen Espresso. Und dafür war der Preis mehr als in Ordnung.



Und heute Nacht werde ich vermutlich zerrinnen. Hier gibt's keine Klimaanlage, nur einen Ventilator. Draußen hat es noch immer 27 Grad (21 Uhr 28!!!!), und es ist drückend schwül.
 
Gesamtstrecke 91,26 km
Zeit in Bewegung 5 h 14'
Gesamtzeit 7 h 16'
Temperatur in der Früh 24 °C, tagsüber bis zu 34 °C
vormittags bewölkt, aber ab 12 Uhr wieder Sonne pur

Summe aller Steigungen: 193 m
Höhe Venedig: 3 m ü NHN
Höhe Crespino: 2 m ü NHN