Aigues-Mortes bis Béziers:
Das Hotel beharrte darauf, dass es erst ab 8 Uhr Frühstück gibt. Somit verzichtete ich auf ein Frühstück. Mein Wecker war auf 6 Uhr gestellt, um 7 Uhr fuhr ich los. Gleich ums Eck hatte eine Brassérie geöffnet, und ich kaufte mir ein Croissant, ein Käsegebäck und eine Apfeltasche. Außerhalb der Stadtmauern gleich neben dem Tor fand ich eine Sitzbank und verspeiste das Croissant samt einem halben Liter Wasser. Den Rest packte ich ein und fuhr gestärkt los.
Mein Navi zeigte eine Temperatur von 15 °C an. Der Wetterbericht sagte teilweise Bewölkung mit einer Temperatur von bis zu 27 °C voraus. Die von mir bestellte Abkühlung! Sehr gut!
Ich befand mich noch am Rande des Naturschutzgebietes, durch das ich gestern gefahren war. GELSEN! Gleich als Invasion stürzten sie sich auf mich. Ich bin ein Medium! Vorgestern hatte ich noch geschrieben, dass meine Insektenstiche abklingen. Das hätte ich nicht schreiben sollen. Seit gestern bin ich wieder zerstochen.
Der Radweg führte mich den Canal du Rhône à Sète entlang, bis ich das Meer erreichte. Hier fuhr ich in Küstennähe auf dem EuroVelo 8, hatte einerseits immer wieder Blick aufs Meer, andererseits Blick auf Lagunen, die ich entlang fuhr.
Der Radweg war herrlich - sehr gut ausgebaut und asphaltiert, gut ausgeschildert. Nur stehenbleiben durfte ich nicht, sonst überfielen mich die Gelsen in Scharen!
Was das wohl für ein Gebäude ist? Mein Navi zeigte mir "Musée Albert Dubout" an. Ich recherchierte natürlich:
Es handelt sich um eine Festung, die 1743 erbaut wurde, um die Küste vor Piraten zu schützen. Sie begünstigte die Entwicklung des Fischerdorfes, das im 19. Jahrhundert zu Palavas wurde. Dann geriet die Redoute in Vergessenheit, wurde später "geköpft " und in einen Wassertank und anschließend in einen mit Beton ummantelten Wasserturm umgewandelt, bevor sie Stein für Stein abgetragen und an ihrem aktuellen Standort neu errichtet wurde. Heute ist die Festung ein Museum, das eine Dauerausstellung sowie Sonderausstellungen anbietet.
Auch Sète brachte mich zum Staunen. Ich fuhr direkt an einer Festung vorbei, die für Festspiele in Sète genutzt wird. Das Théâtre de la Mer Amphitheater am Fuße des Berges Saint Clair. Ursprünglich war das Theater des Meeres mit dem Semaphor Teil eines Verteidigungskomplexes, der die Bevölkerung und den Hafen von Sète vor Angriffen zu Land und zu Wasser schützen sollte. Errichtet auf sieben Plattformen, die in einem Amphitheater mit Blick auf das Meer angeordnet und mit Kanonenbatterien ausgestattet waren, funktionierte es im Duett mit Fort Richelieu. Die beiden Gebäude könnten ihr Feuer kreuzen. Es wurde als Kaserne, Gefängnis und dann als Krankenhaus genutzt, bevor es ab 1959 auf Anregung des Schauspielers Jean Deschamps, der dort sein Festival de la Mer einrichtete, zu einem Theater umgebaut wurde. Heute erinnert es an antike Theater.
Gleich daneben oder besser gesagt unterhalb ist ein Café, in dem ich mir ein Eis mit Kaffee gönnte :-)
Mittagspause machte ich heute gar nicht, sondern hielt mehrmals Ausschau nach einem Kaffee. Kaffee mit dem Gebäck von der ersten Brassérie bekam ich von einem Automaten in einem Anglerbedarfsgeschäft in der Pampa. Nun holte ich mir meinen zweiten Kaffee. Und es sollte nicht der letzte der heutigen Etappe werden.
Sête ist wieder einmal eine Stadt mit magischen Kreisverkehren. Ich wollte nach meinem Eis zurück zum EuroVelo 8 fahren. Der einfachste Weg war - so dachte ich - das Meer anzupeilen. Ich sah das Meer auf meinem Navi. Wenn das Meer links ist, bin ich richtig. Das war ein Trugschluss! Ich merkte meinen Fehler mit einem Blick auf das Navi. Öhm ... wieso fahr ich in östlicher Richtung? Das stimmt doch nicht? Aber das Meer ist links. Gibt es noch ein zweites Meer? Wurde Westen zu Osten? Schiele ich? Ich verkleinerte den Maßstab auf meinem Navi. Ooooooh weh! Rechts ist auch ein Meer. Ich hab Wasser auf beiden Seiten. Oder genau genommen war auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite eine Lagune. Ich fuhr im Kreis! Also nix wie zurück zu meinem magischen Kreisverkehr, noch einmal genau das Navi studieren, auf die richtige Ausfahrt achten. Und ich war in westlicher Richtung unterwegs! Uffff...
Schließlich fand ich doch noch den Voie Verte, auf dem ich wieder die Küste entlang fuhr. Das Meer war links, die nächste Lagune war rechts. Und mein Navi zeigte mir an, dass ich nach Westen fuhr! Alles bestens, ich war richtig!
In Les Onglous schickten mich die Radwegschilder an den Canal du Midi. Öhm. Piste? Nein! Piste will ich jetzt nicht fahren. Ich machte eine Kehrtwendung und fuhr auf die nahegelegene D 612, eine doch sehr stark befahrene Straße. Ich kam flott voran. Aber LKWs und Autos fuhren noch viel flotter an mir vorbei.
In Villeneuve-lès-Béziers war ich dem Canal du Midi wieder nahe und versuchte nochmal mein Glück. Jaaaa! Hier war der Radweg asphaltiert und gut ausgebaut. Somit fuhr ich meine letzten 10 km bis Béziers wieder auf dem EuroVelo 8 den Canal du Midi entlang.
Herrlich :-)
Um 17 Uhr 30 erreichte ich Béziers, 20 Minuten später stand ich vor meinem Hotel. Diesmal ein Ibis Budget.
Ich hab schon eine richtige Routine entwickelt. An der Rezeption stelle ich immer 3 Fragen: Wann gibt es Frühstück? Wie ist das WLAN-Passwort? Und kann ich gleich bezahlen? Im Zimmer häng ich alles, was aufgeladen werden muss, an den Strom, und wähle mich ins Internet ein. Wenn die Foto-APP geöffnet ist, können die Fotos in die Cloud geladen werden. Das dauert meistens ein bissl. Während die Cloud beschäftigt ist, mache ich meine Packtaschen auf, richte mir meine Abendgarderobe her, lege frisches Radlgewand für den nächsten Tag bereit. Dann geht es ab unter die Dusche. Und heute kam danach die Gelsenstiche-Pflege. Bist du g'scheit, bin ich wieder gesprenkelt! Aus diesem Grund war ich heute bei einer Apotheke:
Vorbeugung, Nachbehandlung. Für die Sonne bleibe ich bei Schutzfaktor 50. Das hat sich gut bewährt.
Föhn gibt's hier keinen, daher ging ich mit nassen Haaren Abendessen. Die Wahl fiel auf einen Türken ums Eck. Na ja, ich hab schon besser gegessen. Hühnerspieße mit Pommes, dazu Salat und viel Mineralwasser. Kaffee holte ich mir im Hotel beim Automaten.
Mittagessen: nichts, stattdessen mehrere Kaffeepausen, um meinen Einkauf in der Brassérie in der Früh zu ergänzen. Eisbecher in Sète am Fuße des Théâtre de la Mer.
Übernachtung: Hotel Ibis Budget - Zimmer klein und sauber, Badezimmer winzig, WLAN funktioniert sehr gut. Preis in Ordnung!
Abendessen: Hühnerspieße mit Pommes und Salat bei einem Türken ums Eck, dazu viel Mineralwasser.
Gesamtstrecke 115,99 km
Zeit in Bewegung 6 h 53'
Gesamtzeit 10 h 34'
Temperatur in der Früh 15 °C, tagsüber bis zu 27 °C
teilweise sonnig, teilweise leicht bewölkt, ein paar Regentropfen während meiner Eispause in Sète
Summe aller Steigungen: 405 m
Höhe Aigues-Mortes: 6 m ü NHN
Höhe Béziers: 55 m ü NHN





























Vor einigen Jahren legten wir auch einen Stopp bei unserer Tour durch Frankreich in Béziers ein. Natürlich die Tour mit Auto. Nach einer Taucherwoche in El Estartit!
AntwortenLöschenSehr schön am Canal du Midi!
Deine Vorsorgemaßnahmen werden sicher von Vorteil sein!
LG SE
Das hoffe ich, dass meine Vorsorgemaßnahmen helfen! Wobei ich jetzt wieder aus diesen Insektengebieten raus bin.
LöschenLG Gaby