Montag, 28. August 2023

Tag 12: Crespino bis San Benedetto Po

Crespino bis San Benedetto Po:

Meine Nacht war mehr oder weniger schlaflos. Das Zimmer war stickig und heiß, der Ventilator laut. Aber ohne Ventilator wäre ich umgekommen.

Mein Frühstück war etwas spartanisch, aber allmählich gewöhne ich mich daran. Ich bekam mehrere (!) Scheiben Zwieback, dazu Marmelade. Keine Butter. Dafür ein paar Kekse (selbst gebacken!) und ein paar Nektarinen und Weintrauben. Außerdem brachte mir die Vermieterin 0,2 l Orangensaft, Mineralwasser ohne Ende und Kaffee, so oft ich wollte. Der Kaffee war wieder sehr gut! Ja, das können sie in Italien.

Bei 25 °C fuhr ich los. Ich hatte nur ein paar Meter bis zum Radweg. Der Wetterbericht sagte wieder 34 °C voraus, Regenwahrscheinlichkeit 80 %. Und angeblich kühlt es jetzt ab! Kaum war ich auf dem Radweg, wurde es windig und die ersten Tropfen meldeten sich an. 15 Minuten lang regnete es leicht, danach war es fürs erste wieder vorbei. 

Es gibt tatsächlich Fahrradetappen ohne Strada Infernale :-) Ich musste mir heute zwar den Radweg wieder mit Autos teilen, aber viele waren es nicht. Kein Vergleich zu den Abschnitten auf der Strada Statale.

Der Fluss Po (lat. Padus, deutsch veraltet auch: Pfad, aus mhd. Phât oder Pfât) entspringt in den Cottischen Alpen im an der italienisch-französischen Grenze gelegenen Valle Po und mündet nahe bei Adria (Venetien) in die Adria. Mit einer Länge von 652 km ist er der längste Fluss Italiens. Das Einzugsgebiet umfasst eine Fläche von etwa 75.000 km².

Auf weiter Strecke fließt der Fluss durch die Poebene, die wichtigste Landwirtschafts- und Industrieregion Italiens. Der Po hat ein ausgedehntes Delta von etwa 380 km², dessen Fläche sich ständig vergrößert.

Der Fluss ist von der Einmündung des Ticino bei Pavia bis zur Adria schiffbar. In römischer Zeit trug der Fluss den Namen Padus und war namensgebend für die Aufteilung der Gallia cisalpina in die Regionen Gallia cispadana ("Gallien diesseits des Po") und Gallia transpadana ("Gallien jenseits des Po"). Der Oberlauf trug bis zur Einmündung des Tanarus (heute der Tanaro) noch bis in den Anfang der Kaiserzeit den Namen Bodincus, der "Grundlose".
Im 10. Jahrhundert trug der Fluss den lateinischen Namen Eridanus. Der Cremoneser Bischof Liutprand (962–970/972) beantwortet in seinem Gesandtschaftsbericht Liutprandi Legatio die Frage des byzantinischen Kaisers Nikephoros II. Phokas, wo denn die Stadt liege, in der er Bischof sei: "Cremona, sage ich, (ist) dem Eridanus, dem König der Flüsse Italiens, recht nahe."

Allmählich verzogen sich die Wolken, und der blaue Himmel war zu sehen. Es wurde sonnig. Ich musste mich wieder kräftig mit Sonnencreme eincremen. Seit Venedig hab ich gesprenkelte Arme und gesprenkelte Wadln. Einerseits mischten sich zu meinen slowenischen Gelsenstichen neuerdings italienische dazu. Eh klar. Die fragen gar nicht nach. Ist ja auch EU. Also meinen sie, sie dürfen mich einfach so stechen! Und heute musste ich feststellen, dass die Gegend um den Po ganz besonders gelsenreich ist. Aber nicht nur die Gelsen plagen mich, sondern auch die Sonne, die eine Sonnenallergie auslöste. Ich kann mir nun aussuchen, was mir lieber ist: die Gelsenstiche oder die Sonnenallergie?



Ich hatte bei meiner heutigen Etappe immer wieder einen schönen Blick auf den Po. Die Landschaft war schön. Viel Sonne, aber das bin ich schon seit Tagen so gewöhnt. Irgendwann wird sich auch mein Ausschlag wieder beruhigen. Ab und zu hatte ich Blick auf eine Ortschaft, die nahe am Po bzw. nahe am Poradweg lag. Zufahrtswege oder Zufahrtsstraßen ermöglichten es immer wieder, den Poradweg zu verlassen, um durch den Ort zu fahren.


Ich nutzte eine derartige Gelegenheit in Ostiglia, weil mein Magen zu knurren begann. Ich fand eine Bar, in der man auch essen konnte, und bestellte Tagliatelle panna e prosciutto für 7 Euro! Dazu einen Liter Mineralwasser. Während ich noch beim Essen saß, wurde es auf einmal windig, meine Serviette flog davon, meine Mineralwasserflasche flog davon. Ich schaute zum Himmel. DUNKELSCHWARZ! Oh je, die 80 %ige Regenwahrscheinlichkeit meldete sich zu Wort. Ich zahlte und düste los, zurück auf den Radweg. Es begann leicht zu tröpfeln, hörte dann doch wieder auf. Es blitzte und donnerte, Blitz und Donner hörten wieder auf. Was jetzt? Gewitter oder doch nicht? Regenguss oder doch nicht?

Sicherheitshalber verließ ich den Radweg und fuhr auf der Straße weiter. Bis .... ja bis es ordentlich los ging. 20 Minuten lang wurde ich zugeschüttet bis zum geht nicht mehr. So schnell konnte ich meine Regensachen nicht mehr auspacken. Ich war nur froh, dass sich der Donner wieder verzog. Regenguss ist wenigstens harmlos. Der Regenguss ging in Tröpfeln über, und ich erreichte mein Quartier klatschnass um 14 Uhr 28.

Diesmal hatte ich ein Restaurant, das auch Zimmer vermietet. Ein riesengroßes Zimmer mit einer herrlichen Klimaanlage. Essen gibt es erst um 19 Uhr 30. Wenigstens brauch ich nur ein Stockwerk runtergehen. Auch ein Vorteil.

Ab hier hab ich für ein paar Tage Begleitung von Reiner aus Oberfranken, den ich aus einem deutschen Radreiseforum kenne. Es gibt tatsächlich Radfahrer, die meine ausgefallenen Ideen mitmachen! Nur einen kleinen Teil meiner Tour, aber immerhin! Er fuhr von Verona nach San Benedetto und war schon vor mir da.

Mittagessen: Tagliatelle panna e prosciutto in einer Bar in Osteglia nahe am Poradweg.
Übernachtung: Residenza Il Capitano - Zimmer sauber und riesengroß, WLAN funktioniert sehr gut. Klimaanlage funktioniert ebenfalls sehr gut. Preis leistbar.
Abendessen: Das Abendessen im Haus war sehr gut, aber nicht gerade günstig.
 
Gesamtstrecke 98,46 km
Zeit in Bewegung 5 h 15'
Gesamtzeit 6 h 58'
Temperatur in der Früh 25 °C, tagsüber bis zu 30 °C
in der Früh leichter Regen (15 Minuten lang), danach zunehmend Sonne, um die Mittagszeit zogen Wolken auf und führten schließlich zu einem heftigen Wolkenbruch

Summe aller Steigungen: 218 m
Höhe Crespino: 2 m ü NHN
Höhe San Benedetto Po: 24 m ü NHN

2 Kommentare:

  1. Servus die Wadln ! - Na, da hast du ja schon einiges erlebt. Ich hab´ so das Gefühl, dass bei jeder deiner Super-Touren am Anfang irgend etwas "blöd-sinniges" passieren muss. Dann wird die Tour erst richtig "knackig" und du hast gute G´schichteln zu erzählen.
    Ich glaube eher nicht, dass ich dieses mal hilfreiche Nachforschungen nach der gemopsten Packtasche für dich machen kann. Hauptsache es war wirklich nichts wertvolles drinnen, was deine Tour wirklich entscheidend beeinflisst.
    Besser 2 neue Packtaschen, als ein Sturz mit Abschürfungen und Prellungen die eine Zwangspause von mehreren Tagen benötigt. Das würde nicht nur körperlich - sondern auch dem Reisebudget weh tun. Besser gesund mit 2 neuen Taschen, gutem Wetter und planmäßigem Erreichen der Etappenziele als verletzt irgendwo im Grabenoder gar im Krankenhaus zu liegen.

    Aber "selbst ist die Frau" - Nix und niemand kann dich während deiner Touren aufhalten. Weiter so !
    Was mich aber überrascht hat, dass du von anderen Radfahrern überholt worden bist. Das kann doch nicht mitrechten Dingen geschehen sein. Ich vermute, dass alle diese Überholer ein E-Bike gahabt haben müssen. Sonst überholt dich keiner. Nicht einma ich :-)
    Super, dass du dir in Venedig eine Pause gegönnt hast. Herzlichen Dank für die Seminar-Arbeit über die Geschichte von Venedig. Ich hab´ wieder was gelernt. In Venedig war ich das letzte mal im Alter von sechs Jahren. Also quasi so gefühlt vorgestern. Wenn dort nicht so viele Touristen wären, wäre es für mich auch ein lohnendes Ausflugsziel. Das Motorrad könnte man ja vielleicht sogar bei einem Hotel in Venedig parken.
    (Vor- oder Nachsaison wären ohnehin günstig um nicht zur Zeit der Touristenlawine auch dort zu sein).
    Ja, mir geht´s so weit schon recht gut. Die Krücken habe ich schon weggeschmissen und ich gehe schon "freihändig". Einmal in der Woche mit dem Auto zur Physio-Theraphie und fleißig weiter trainieren. Mit kleineren Rad-Fahrten werde ich beginnen, sobald mir der Doc. das OK gibt.
    Ich wünsche dir weite gute Fahrt und bring die neuen Packtaschen nach Hause. Liebe Grüße - dein Anonymus

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    1. Na so was, Anonymus! Du liest ja mit. Das freut mich sehr! Ja, irgendwas blödsinniges muss immer dabei sein, glaub ich. Aber wie du geschrieben hast, es gibt schlimmeres. Kein Sturz, keine Abschürfungen, wirklich Wertvolles war auch nicht drin.

      Ich freu mich, dass du schon ohne Krücken gehen kannst! Es geht bergauf! Weiterhin gute Besserung!

      Danke für die guten Wünsche! Liebe Grüße Gaby

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