Cremona bis Pavia:
Es geht doch nix über einen guten Schlaf. Gut ausgeruht machte ich mich samt Gepäck auf den Weg in den Konferenzsaal, um mein Fahrrad zu bepackeln. Anschließend setzte ich mich zum Frühstück. Ich wurde satt, über die Auswahl beim Frühstück beklag ich mich besser nicht mehr.
17 °C, blauer Himmel, der Wetterbericht meldete Schönwetter bei maximal 25 Grad. Was will man mehr. Ich schob mein Fahrrad aus dem Konferenzsaal. Ähm ... wieso rattert das? Das Hinterrad vibriert doch irgendwie komisch? Ich stellte das Rad vor den Eingang und inspizierte das Hinterrad von allen Seiten. Die Pedale ließen sich mühelos drehen. Ich machte eine Proberunde um den Parkplatz. Da hat's was! Mein Blick fiel auf das Schutzblech. Das war irgendwie schief. Aaaah die Schraube vorne ist locker. Ich bin ja ausgestattet: Imbusschlüssel-Set, Schraubenzieher, Gabelschlüssel, Zange, Schweizermesser. Ich zog die Schraube fest. In der Zwischenzeit kam Reiner aus dem Hotel. "Ich fixier die Mutter, du ziehst die Schraube an." Die Schraube drehte sich durch. Das gibt's doch nicht? Die Schraube ist GEBROCHEN! Da geht ja gar nix mehr. Die Halterung ist kaputt. Und somit kann man auch das Schutzblech nicht fixieren. Na toll!
Mein erster Gedanke war: Die Sonne scheint, ich brauch kein Schutzblech. Weg damit. In 20 Sekunden war das Schutzblech weg. Der Müllcontainer um die Ecke schluckte das Schutzblech, ich räumte das Werkzeug wieder ein, montierte die Packtaschen. Und wir fuhren los. Ohne Schleifgeräusch, ohne Rattern, ohne Vibrieren.
Die zweite Hürde war das Verlassen der Stadt. Das Hotel war zwar nicht im Zentrum, wir mussten aber doch quer durch Cremona fahren, um den Po zu erreichen. Links und rechts, dann gegen die Einbahn und auf den Gehsteig und lieber doch auf der Straße, falsch abgebogen, die nächste Einbahn ist mir jetzt wurscht ... Eine halbe Stunde dauerte es, bis wir am Poradweg waren.
Geschafft!
Heute sahen wir anfangs wieder recht viel Wasser. Wir fuhren den Po entlang, hatten immer wieder Blick auf den Po. Der Po schlängelt sich mittlerweile schon recht deutlich. Kurve um Kurve folgt man auf dem Poradweg dem allmählich dünner werdenden Fluss. Wir fuhren aber auch Nebenflüsse wie den Adda oder den Lambro und (in der Nähe von Pavia) schließlich den Ticino entlang. Und auch Kanäle und Altarme des Po waren unsere begleitenden Gewässer.
Ob hier wohl noch jemand wohnt? Die Müllabfuhr war wohl schon länger nicht mehr hier.
Wir fuhren auf Asphalt genauso wie auf Schotter und Sand. Apropos Schotter, Sand und Co.:
Man nehme Sonnencreme (damit man nicht gleich wieder eine Sonnenallergie bekommt), rumpelt ein bissl auf Sand-/Schotterradwegen. Und schon ist man paniert. Fertig ist das Schnitzel! Ich war heute ziemlich paniert unterwegs.
Auch meine Packtaschen sind täglich eingestaubt. Aber besser eingestaubt als eingegatscht, muss ich auch dazu sagen!
Ich glaub, wir waren sogar ganz kurz in Afrika!?
Um die Mittagszeit führte uns unser Etappe nach Orio Litta. Zeit für einen Imbiss und eine Pause. Wir fanden eine Bar, in der man nicht nur Panini und Pizzaschnitten, sondern auch himmlisches Eis bekam! Dazu italienischen Espresso :-)
Am Nebentisch sammelte sich langsam eine Gruppe Männer teils höheren Alters und begann angeregt zu diskutieren. Ich verstand natürlich nur Bahnhof, beobachtete sie aber amüsiert. Mir gelang es sogar, unbemerkt ein Foto zu machen. :-)
Es ist nicht das erste Mal, dass ich in Italien diskutierende Männer beobachtete. Bars und Cafés eignen sich dafür wohl am besten dafür. Und Zeit hatten sie anscheinend ohne Ende. Von Hektik merkt man hier gar nichts.
Nach der Mittagspause wichen wir ein bissl auf eine SP-Straße aus, bevor wir den letzten Abschnitt bis Pavia wieder auf dem Poradweg unterwegs waren. Die Ortstafel von Pavia erreichten wir um 16 Uhr 30, das Quartier um 17 Uhr. Eine sehr christliche Zeit nach einer Etappe von immerhin 102 km. Allerdings sind die Etappen am Po sehr flach, so dass man flott vorankommt.
Die heutige Etappe war wieder recht abwechslungsreich. Von Wasser und Naturlandschaft über Dörfer bis hin zu Provinzstraßen mit zunehmendem LKW-Verkehr war alles dabei. Das Wetter war herrlich, blauer Himmel und Sonnenschein, dabei angenehme Temperaturen von bis zu 25 Grad. Der Wetterbericht hat sein Versprechen gehalten!
Das Quartier ist diesmal ein Bed & Breakfast mit Self Check-in. Mein Fahrrad steht im Zimmer und verdeckt mir den Blick auf den Fernseher. In der Küche sowie im Aufenthaltsraum sind Brot, Butter, Marmelade, Joghurt, Orangensaft und Mineralwasser sowie eine Kaffeemaschine hergerichtet. Somit steht einem frühen Frühstück und einem Start vor 8 Uhr nichts mehr im Weg.
In Pavia gibt's tatsächlich geöffnete Restaurants! Sogar gleich mehrere zur Auswahl. In einer Pizzeria bekam ich Gnocchi con gorgonzola, dazu gemischten Salat und zum Abschluss Mascarpone Creme und Eis. Espresso doppio durfte natürlich auch nicht fehlen.
Mittagessen: halbe Pizza in einem Café in Orio Litta, anschließend gemischtes Eis und einen Espresso doppio.
Übernachtung: Bed & Breakfast Civico - Zimmer sauber und groß, WLAN funktioniert sehr gut. Preis leistbar. Self Service für Check-in genauso wie für das Frühstück morgen.
Abendessen: in einer Pizzeria im Ort.
Gesamtstrecke 101,93 km
Zeit in Bewegung 5 h 49'
Gesamtzeit 8 h 18'
Temperatur in der Früh 17 °C, tagsüber bis zu 25 °C
Sonne pur den ganzen Tag
Summe aller Steigungen: 318 m
Höhe Cremona: 45 m ü NHN
Höhe Pavia: 81 m ü NHN













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