Freitag, 6. Oktober 2023

Tag 50: Gibraltar bis Atlanterra

Gibraltar bis Atlanterra:

Ich hatte wieder Frühstück im Zimmer, wobei ich diesmal Nespresso hatte. :-) Und schon war der Start in den Tag gerettet. Baguette und Käse, Joghurt, Orangensaft, Wasser. Mein Einkauf von gestern kam zum Tragen. Ich musste das zweite Fenster wieder schließen. Es war ziemlich windig, und die Türen und Fenster knallten. Ich hatte bereits an meinem Pausetag gemerkt, dass es sehr windig war. Die Temperatur betrug 19 °C. Der Wetterbericht meldete teilweise Bewölkung bei einer Tageshöchsttemperatur von 25 °C. Dazu Wind mit einer Windstärke von 17 bis 25 km/h mit Windstößen von bis zu 40 km/h. Für Tarifa meldete meine Wetter APP sogar Wind mit einer Windstärke von 29 bis 36 km/h mit Windstößen von bis zu 54 km/h. Na servas!

Um 7 Uhr 30 bepackte ich mein Rad im Stockfinsteren und stellte es vor die Wohnungstür! Ich wartete nach dem Frühstück noch ein paar Minuten, bis es dämmerig wurde. Gibraltar ist kompliziert: es gibt viele Einbahnen, Ampelregelungen bei einigen der schmalen Straßen. Mit Navi klappte es aber recht gut, die Line Wall Road zu finden, die mich in der Verlängerung auf die Winston Churchill Ave führte. Danach über das Flugfeld, ein Blick zurück und weiter zur Passkontrolle.



Hier wurde es dann doch wieder verwirrend. Ich musste tatsächlich zick zack fahren, um zur Passkontrolle zu gelangen. Das Zickzack erinnerte mich an die Zeit des Eisernen Vorhangs, als Grenzübergänge immer als Slalom oder Zickzack angelegt waren, um Flüchtende leichter erwischen zu können. Ich wollte doch gar nicht flüchten?

Na ja, schließlich war ich in La Línea de la Concepción und fuhr auf einem Radweg die Küste entlang. Ich blieb nicht lange an der Küste, da der Radweg aufhörte und es an der Küste nur die A-7 gibt. Aber meine Route führte mich auf eine richtig schöne bewaldete Strecke. Bergauf - weiter bergauf - noch mehr bergauf - 12 % - 13 % - 14 % ... War das wirklich SO ausgemacht? Irgendwann war der Anstieg vorbei, und ich fuhr herrlich bergab.





Siehe da, da ist ja mein EuroVelo 8! Das Schild hatte ich ja schon seit Tagen nicht mehr gesehen.




Während vor mir noch teilweise blaue Flecken am Himmel sichtbar waren, braute sich in meinem Rücken eine schwarze Wolkenwand auf.



Nix da. Ausgemacht war teilweise bewölkt, aber sonst nichts. Und schon gar kein Regen oder ähnliche Scherze. Ihr könnt euch gleich wieder verziehen, ihr schwarze Wolken! Dank Wind taten sie das tatsächlich. Gegen Mittag wurde der Himmel wieder blauer, und die schwarzen Wolken wurden vom Winde verweht.

Ich fuhr ein paar Kilometer auf einer Piste, die aber eher harmlos war, und erreichte die N-340. Mein zweiter Anstieg des Tages kündigte sich an. Diesmal war das Bergauf moderat und endete bei einem Aussichtspunkt namens Mirador del Estrecho. Ein herrlicher Ausblick über die Straße von Gibraltar zeigte sich mir. Wären da nicht doch noch ein paar Restwolken, hätte ich vermutlich bis Afrika sehen können. Ich entdeckte ein Café, und da es bereits 13 Uhr war, machte ich hier gleich meine Mittagspause.



Bei meiner Talfahrt hatte ich bereits Blick auf Tarifa.



Und bald erreichte ich auch Tarifa. Ich fuhr durch den Ort, machte ein paar Fotos von den historischen Bauwerken




und peilte den Damm an, der Tarifa mit der Insel Isla de Las Paloma oder Isla de Tarifa verbindet. Am südlichen Ende der Insel ist der Punta de Tarifa, der als südlichster Punkt des spanischen Festlandes und Kontinentaleuropas gilt. Hier steht auch der Leuchtturm Faro de Punta de Tarifa, der im 18. Jahrhundert errichtet wurde. Westlich von ihr liegt der Atlantische Ozean, im Osten das Mittelmeer.

Die Entfernung nach Marokko, und damit dem afrikanischen Kontinent, beträgt hier nur 14 km. Nirgendwo sonst liegen Europa und Afrika näher zueinander. Durch die strategisch bedeutende Lage an der engsten Stelle der Straße von Gibraltar war Tarifa immer wieder Schauplatz historischer Ereignisse.

In der Nähe der Punta de Tarifa landete im Jahr 710 ein arabischer Offizier namens Tarif ibn Malik – der Namensgeber der Stadt Tarifa – von Nordafrika kommend mit einem 500 Mann starken Expeditionsheer. Er stieß anschließend kurz ins Landesinnere vor und kehrte dann mit reicher Beute nach Afrika zurück. Von diesem Erfolg ermuntert startete im Jahr darauf Tāriq ibn Ziyād, ein Unterbefehlshaber des Kalifen in Damaskus, einen Feldzug nach Spanien, der den Beginn der arabischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel bedeutete, die erst im Jahr 1492 endgültig beendet wurde.

Ich fuhr bzw. ich versuchte über den Damm zur Insel zu fahren, musste jedoch absteigen und mein Rad schieben. Der Wind war so stark, dass er mich fast verweht hätte. Hier kann man gleichzeitig das Mittelmeer und den Atlantik sehen! Das fand ich schon faszinierend.









Leider war die Insel und der gesamte Punta de Tarifa versperrt. Zutritt ist nur gegen Voranmeldung möglich. Schade! Ich stand vor verschlossenen Toren!

Zurück in Tarifa peilte ich die N-340 an und ... fuhr bergauf. Was sonst. Aber das richtige Bergauf kam erst, nachdem ich sie verließ und zurück zur Küste nach Bolonia fuhr. Zwischen der N-340 und Bolonia befindet sich wieder ein Naturpark, den es zu erklimmen galt.




Hier hätte ich auch noch rauffahren können, ich ließ den Extraanstieg jedoch aus und fuhr wieder ein herrliches Bergab nach Bolonia.



Ursprünglich wollte ich bis Bolonia fahren. Aber dann dachte ich mir, ein Stückerl geht noch. Und damit kam noch ein weiterer Anstieg dazu. Ja, meine heutige Etappe war schon recht anspruchsvoll und anstrengend! Meine Höhenmeter summierten sich.


Hier endete mein Anstieg, und ich fuhr auf einer (gut gepflegten) Piste bergab zum Leuchtturm Faro de Camarinal mit einem umwerfenden Ausblick auf die Küste! So ein toller Blick! Traumhaft schön. Meine Etappe war somit nicht nur anspruchsvoll, sondern hatte sehr schöne Streckenabschnitte und war insgesamt richtig schön!






Was für ein traumhafter Blick auf den Atlantik! Ja! Seit Tarifa fuhr ich den Atlantik entlang.



Jetzt hatte ich nicht mehr weit bis zu meinem Etappenziel Atlanterra. Mein Quartier erreichte ich um 18 Uhr. Diesmal hatte ich wieder ein Hotel, das für den Komfort, das es bot, leistbar war!



Abendessen gibt es in Spanien fast immer erst um 20 Uhr 30. Aber da ich durch den Tarifa-Wind nicht nur fast verweht wurde, sondern auch ziemlich eingesandet wurde, musste ich ohnehin zuerst einmal mein gesamtes Gepäck vom Sand befreien, bevor ich mich selbst unter der Dusche entsanden konnte.

An der Rezeption verhandelte ich über ein frühes Frühstück und setzte mich ins Hotelrestaurant.

Mittagessen: Überbackenes Baguette mit Kotelett (bestellt hatte ich überbackenes Baguette mit Käse) im Café am Aussichtspunkt Mirador del Estrecho, dazu einen Liter Mineralwasser.
Übernachtung: Hotel El Cortijo de Zahara - ein richtiges nobles Hotel, in dem es sogar Sauna und Spa und ähnliches gibt (alles, was man jetzt so braucht, wenn es fast 30 °C hat!), aber auch zwei eigene Pools und Restaurant, Zimmer riesengroß und sehr gepflegt, WLAN funktioniert super. Mein Fahrrad steht im Zimmer. Preis für den Komfort in Ordnung.
Abendessen: Wok mit Nudeln und Gemüse, gemischten Salat, Schokokuchen mit flüssigem Kern und Vanilleeis, viel Mineralwasser still (das war ein Missverständnis, aber egal).

Gesamtstrecke 91,04 km
Zeit in Bewegung 6 h 46'
Gesamtzeit 9 h 34'
Temperatur in der Früh 19 °C, tagsüber bis zu 27 °C
anfangs leicht bewölkt, im Laufe des Vormittags zunehmend sonnig, am späteren Vormittag zogen schwarze Wolken auf, die wieder abzogen, ab Mittag wieder sonnig und kaum Wolken, ziemlich windig, in Tarifa sehr starker Wind!

Summe aller Steigungen: 1.195 m
Höhe Gibraltar: 24 m ü NHN
Höhe Atlanterra: 37 m ü NHN

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